Prognosezustände basierend auf Raumstrukturdatenmodell sowie angenommenem Netzzustand und geplantem ÖV-Angebot

Mit etwas über 12 Millionen verfügt der Freistaat Bayern als flächenmäßig zweitgrößtes Bundesland Deutschlands gleichzeitig über die zweithöchste Einwohnerzahl. Entsprechend wichtig ist eine gut funktionierende Infrastruktur – jetzt und in Zukunft. Den strategischen Neu- und Ausbau sowie die operative Planung des Verkehrsnetzes soll ein landesweit durchgängiges Verkehrsmodell unterstützen. Dazu wurde von der Autobahndirektion Südbayern im Januar 2015 eine Arbeitsgemeinschaft mit der Erstellung des Landesverkehrsmodells Bayern beauftragt.

Werktägliche Belastung des Autobahnnetzes im Freistaat Bayern

Die Gesellschaft ist in Bewegung. Neben den täglichen Wegen zum Arbeitsplatz gewinnen Freizeitreisen und Dienstfahrten zusehends an Bedeutung. Die erhöhten Mobilitätsanforderungen haben konkrete Auswirkungen auf den Verkehrsablauf und damit auf die genutzte Infrastruktur. Im Fokus der Bayrischen Staatsbauverwaltung steht deshalb nicht nur der Erhalt des Bestandsnetzes, sondern vor allem die Evaluierung neuer struktureller Entwicklungen für alle Verkehrsträger und deren Vernetzung. Um bei Aus- und Neubaumaßnahmen im Straßen- und Schienenbereich fundierte Entscheidungen treffen zu können, gab der Freistaat Bayern ein landesweites Verkehrsmodell in Auftrag. Ein Projekt dieser Größenordnung steht und fällt bereits mit der Ausschreibung. Gemeinsam mit einem unabhängigen wissenschaftlichen Berater wurden die Anforderungen an das Modell erarbeitet und die Rahmenbedingungen definiert. Am Ende überzeugte das Angebot des Konsortiums durch seine Wirtschaftlichkeit. Das Kernelement des Projekts – das Nachfragemodell – wurde von der PTV AG erstellt. Ziel war es, ein nutzerfreundliches, bedienbares Modell zu schaffen, das das Netzmodell mit den Strukturdaten vereint und die entsprechenden Verhaltensmodelle integriert. Daraus ergab sich nach Kalibrierung und Validierung ein Nachfragemodell für ganz Bayern, das sowohl den Personen- als auch den Wirtschaftsverkehr berücksichtigt.

Prognosefähigkeit als entscheidender Vorteil
Ein entscheidender Vorteil eines Verkehrsmodells ist die Prognosefähigkeit. Auf Grundlage der abgebildeten Realität können Voraussagen einer künftigen Entwicklung getroffen werden. Das bayrische Verkehrsmodell bildet daher aktuell das Verkehrsgeschehen für das Jahr 2014 und 2015 ab.
Die davon abgeleiteten Prognosezustände für das Jahr 2030 und 2035 basieren hierbei auf einem eigenständigen Raumstrukturdatenmodell sowie dem für das jeweilige Jahr angenommenen Netzzustand für die Straße und dem geplanten ÖV-Angebot im Nah- und Fernverkehr (gemäß amtlicher Planungsgrundlagen wie dem Bundesverkehrswegeplan 2030 BVWP). Grundlegende Eckdaten für die prognostizierten Entwicklungen lieferten z. B. der aktuelle BVWP wie auch offizielle Statistiken auf Landes-, Bundes- und Europaebene. Die Prognosezahlen stehen als Datengrundlagen allen berechtigten Stellen über eine Intranet-Datenbank unmittelbar zur Verfügung.

Ausblick
Alle Behörden des Freistaats Bayern und beauftragte externe Gutachter sollen die Möglichkeit haben, das Landesverkehrsmodell für Verkehrsuntersuchungen oder weiterführende Analysen zu nutzen und nach Bedarf zu erweitern. Eine eigens dafür entwickelte Web-Oberfläche soll die Anwendung erleichtern und die Hemmschwelle für die Nutzer gering halten. Alle Behörden und Betriebe in Bayern sollen von diesem Landesverkehrsmodell profitieren. Eine Werktägliche Belastung des Autobahnnetzes im Freistaat Bayern  einheitliche Datenbasis erleichtert die Zusammenarbeit und fördert die Transparenz. So können Ergebnisse und Dokumentationen auf derselben  Grundlage geschaffen werden. Davon profitieren die Genauigkeit und Verlässlichkeit der Angaben – jetzt und in Zukunft. Neben den „klassischen“ Aufgaben der Infrastrukturplanung können auf Basis des Landesverkehrsmodells mittelfristig auch betriebliche Untersuchungen, z. B. zu neuen Mobilitätsformen oder  Verkehrssicherheitsanalysen, vorgenommen werden.

Weitere Informationen: www.ptvgroup.com

3.07.2019