Projektergebnisse zum automatisch fahrerlos fahrenden Absicherungsfahrzeug für Arbeitsstellen auf Bundesautobahnen (aFAS) vorgestellt

Am 20.6.2018 fand im House of Logistics and Mobility am Frankfurter Flughafen die Schlusspräsentation des aFAS-Projekts statt. Projektverantwortliche aus unterschiedlichen Bereichen präsentierten die Ergebnisse, Herr Stöckl-Pukall vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), welches das Projekt fördert, hielt die Eröffnungsrede. Höhepunkt war die fahrerlose Betriebsfahrt des Absicherungsfahrzeugs auf der A 3, die via Livestream in den Konferenzsaal übertragen wurde.

Besonders hohe Anforderungen wurden an die funktionale Sicherheit des Fahrzeugs sowie an die Qualität der Fahrzeugtechnik gestellt

Herr Stöckl-Pukall, Leiter des Referats Digitalisierung und Industrie 4.0 im BMWi, bezeichnete aFAS als zentrales Projekt, welches Verkehrstechnologie und
Fahrzeugtechnik sichtbar macht und als Beispiel dafür dient, wie automatisiertes und vernetztes Fahren über „Use cases“ in die tägliche Anwendung kommen und somit auch vom Verbraucher angenommen werden könne.
Ein solcher Use case ist das Projekt, das ein Absicherungsfahrzeug entwickelt hat, welches bei Arbeitsstellen kürzerer Dauer (AKD) auf Autobahnen dem Einsatzfahrzeug auf dem Standstreifen automatisiert hinterherfährt und somit vor dem fließenden Verkehr sichert. AKD stellen gerade für den Fahrer
des Absicherungsfahrzeugs ein hohes Sicherheitsrisiko dar – Auffahrunfälle  sind meist schwerwiegend und enden bisweilen tödlich. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt, das eine Laufzeit von Anfang August 2014 bis Ende Juli 2018 hat, durch ein Konsortium aus behördlichen, industriellen und wissenschaftlichen Institutionen realisiert.

Bericht der Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren als ethische Grundlage
Als zentrale Problemstellungen des Projekts wurden u. a. die Sicherheit und ethische Grundlagen genannt. Neben der ISO-Norm 26262, die  Sicherheitsrelevante Aspekte elektrischer/elektronischer Systeme im Kraftfahrzeug beschreibt, orientierte sich das Entwicklerteam am Bericht der Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren. In dem Bericht werden u. a. die „Verbesserung der Sicherheit aller Beteiligten im Straßenverkehr“, „der Schutz von Menschen“, „die Vermeidung von Unfällen“, das autonome Gelangen des Fahrzeugs in einen sicheren Zustand und das „Potenzial der Schadensminderung“ als Leitbilder beschrieben.
An diese Problemstellungen knüpfte auch der Vortrag Herrn Gassers von der BASt an, der sich mit den Rechtsfolgen zunehmender Fahrzeugautomatisierung beschäftigt. Er wies darauf hin, dass ISO 26262 schwer umzusetzen sei: Eine perfekte Steuerung ist nicht erwartbar, die verbleibende Unsicherheit wird durch die technische Norm toleriert, die Sicherheitserwartung für eigenständig steuernde Fahrzeuge ist völlig offen. Bislang wurde das erforderliche Sicherheitsniveau nicht geklärt. Die Frage lautet: Wie sicher ist sicher genug? Darauf muss der rechtliche Rahmen erst noch Antworten finden.

Diverse Institutionen für unterschiedliche Bereiche verantwortlich
In mehreren Blöcken wurde auch auf die technischen Fragestellungen, Details und Lösungen eingegangen. Für die unterschiedlichen Bereiche (Lenkung, Bremse, Motor, Sensorik, Funkkanal, HMI) zeichneten sich jeweils Projektpartner verantwortlich, die ihre Ergebnisse in Vorträgen präsentierten. Hierbei wurde mehrfach betont, dass sich eine Vielzahl der Detailfragen erst durch die Arbeit herauskristallisiert hat, das Projekt also wichtige Ideen und Impulse für Vollautomatisierung in der Praxis beigesteuert hat. Die verschiedenen Betriebsarten (Folgebetrieb, sicheres Anhalten, gekoppelter Betrieb) konnten abgestuft
in der Praxis erprobt werden; der demonstrierten Autobahnfahrt gingen Fahrten auf einem Testfeld und einem abgesperrten Teilstück der A 44 voraus.
Ausblick Wie soll es nun weitergehen mit dem Projekt und dem entwickelten Prototypen? Das aFAS soll zunächst für den Einsatz auf regulären Fahrstreifen weiterentwickelt werden. Gegen die Serienreife der Technologie spricht zurzeit noch der im Vergleich zu handelsüblichen Absicherungsfahrzeugen deutlich höhere Preis. Das erste fahrerlose Fahrzeug auf deutschen Autobahnen wäre jedoch nicht zuletzt aus Perspektive der Verkehrssicherheit allerdings ein Schritt in die Zukunft.

Weitere Informationen: www.afas-online.de

24.07.2018