Verkehrsüberwachung

Mit KI-basierter Simulation zur optimalen Baustellen- und Verkehrsplanung

Mit einem Touch den Stau vermeiden – Stauprognose am roads-Touchtisch

Nichts fährt mehr. Blechlawinen schieben sich vor allem morgens und abends durch die Elbmetropole. Die tägliche Rushhour, Baustellen auf den großen Hauptverkehrsstraßen, aber auch nicht optimal geschaltete Ampelanlagen und unvorhergesehene Ereignisse wie Unfälle, Wasserrohrbrüche oder Demonstrationen – dies alles sind Gründe für Verkehrsstaus in Hamburg, das 2019 noch den „Tom Tom Traffic Index“ als Staustadt Nr. 1 in Deutschland angeführt hat.

Mit dem Projekt „Stauprognose“ hat der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) der Freien und Hansestadt Hamburg – auf Grundlage des im November 2017 von Bund, Ländern und Kommunen verabschiedeten Sofortprogramms „Saubere Luft“ zur Verbesserung der Luftqualität in Städten – eine Simulationssoftware für eine verbesserte Prognose von Stausituationen entwickelt. Dieses Tool macht es erstmals möglich, die Entwicklung von Verkehrsströmen in Echtzeit zu erfassen, kurzfristig zu lenken, langfristig zu prognostizieren und gleichzeitig die Luftqualität zu verbessern.

Ziel von Stauprognose als ITS-Projekt war es von Anfang an, ein datengestütztes Simulationstool für eine kurz- und langfristige Verkehrs- und Baustellenplanung zu entwickeln. Im Rahmen des Projektes ging es maßgeblich darum, Verkehrsdaten zu erfassen, auszuwerten und für die Verkehrsplanung, -steuerung und -koordination, vor allem aber für die Optimierung des Verkehrsflusses nutzbar zu machen. Bei rund 25.000 geplanten Baustellen und 69.000 polizeilich erfassten Unfällen im Jahr (Referenzjahr 2019) unterstützt Stauprognose seit April 2020 die Baustellenkoordinatoren des LSBG und Polizisten in der Verkehrsleitzentrale (VLZ) dabei, gute und schnelle Entscheidungen treffen zu können.

Die langfristige Prognose ist vor allem für die Baustellenkoordination wichtig. Bereits bei der Planung von Baustellen haben die Koordinatoren des LSBG mit dem Softwaretool nun die Möglichkeit, die Auswirkungen der Bauarbeiten auf den Verkehrsfluss zu überprüfen. Sie können simulieren, welche Folgen eine Baumaßnahme unter Berücksichtigung anderer Faktoren, z. B. paralleler Großveranstaltungen, hat, ob die Vorhaben verkehrsverträglich sind oder sogar noch sinnvoll erweitert werden können, ohne dass es zu Staus kommt.

Eine kurzfristige Prognose spielt für die VLZ eine elementare Rolle. Ad-hoc-Situationen wie Unfälle, Wasserrohrbrüche oder Straßensperrungen können zum Verkehrskollaps führen. Die Verantwortlichen müssen schnell Entscheidungen treffen. Mit der Stauprognose-Software kann der Verkehrsfluss proaktiv vorhergesehen und dann aktiv gesteuert werden. Durch eine zielgerichtete Lenkung des Verkehrs mittels verschiedener Maßnahmen können Staufallen entschärft, Wartezeiten an den Ampeln verkürzt und stark befahrene Strecken entlastet werden.

Ein Erfolg ist bereits zu verzeichnen: Hamburg ist nur noch auf Platz 2 des o. g. Staustadt-Rankings. Um auch zukünftig als „Tor zur Welt“ aufzutreten, setzt das Projekt #transmove auf den Ergebnissen des Stauprognose-Projekts auf und entwickelt diese bis 2024 zu einer smarten und nachhaltigen Mobilitätsprognose weiter, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert.

Weitere Informationen
Freie und Hansestadt Hamburg
Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer
D-20097 Hamburg
www.lsbg.hamburg.de

10.03.2021