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Kann eine Verbesserung der Radwegeunterhaltung die Fahrradnutzung steigern?

Does improvement of bicycle infrastructure maintenance increase proportion of bicycle traffic?

Hon. Prof. Dr.-Ing. Rainer Hess; M. Sc. Carsten Mahnel; B. A. Liliane Stein, Mainz

Die Eröffnung zahlreicher Pop-Up-Radwege, der Bau von Radschnellwegen oder die Neugestaltung anderer Fahrradinfrastrukturen spiegelt die steigende Bedeutung des Fahrrades in Deutschland wider. Die Ausweitung des Angebotes steigert die Nutzerfreundlichkeit und die Attraktivität des Verkehrsmittels. Neben der Durchgängigkeit und Größe eines Radwegenetzes ist der Zustand ein entscheidender Faktor für die Qualität des Verkehrsangebotes. Ein schlechter betrieblicher Zustand des Radwegenetzes stellt eine Einschränkung der Nutzbarkeit für den Alltagsradverkehr dar und kann zur Wahl eines anderen Verkehrsmittels führen. Den wachsenden Verkehrsmengen ist deswegen nicht nur mit dem Ausbau der Infrastruktur, sondern auch mit der Anpassung der Radwegeunterhaltung zu begegnen. Eine Verbesserung der Radwegeunterhaltung kann den Zustand der Infrastruktur und damit die Zufriedenheit der Nutzer und Nutzerinnen steigern. Das Projekt „AllRad” der Hochschule Mainz entwickelt und erprobt mit den Städten Mainz, München und Münster konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Radwegeunterhaltung, um weiteres Potenzial zu identifizieren und übertragbare Empfehlungen für Kommunen zu verfassen. Neben den technischen und organisatorischen Maßnahmen werden auch Kommunikationsmaßnahmen nach dem „open-government-Ansatz” angewendet. In niederschwelligen Kommunikationsangeboten werden Prozesse der Verwaltung und Betriebshöfe transparent dargestellt und die Interaktion mit der Bevölkerung gefördert. Ziel ist es, das Verständnis und die Zufriedenheit der Nutzer und Nutzerinnen zu erhöhen.

Opening of numerous pop-up bicycle paths, building of cycle lanes or design of other new cycling infrastructure reflects the increasing importance of bicycle traffic in Germany. The expansion of the offer increases the user-friendliness and attractiveness of the transport system. In addition to the continuity and size of a cycle path network, its condition is a decisive factor for the quality of the transport offer. A poor operational condition of the cycle path network represents a reduction in usability for everyday cycling and can lead to the choice of another mode of transport. The growing volumes of traffic must therefore be countered not only by expanding the infrastructure, but also by adapting cycle path maintenance. Improving the maintenance of cycle paths can increase the condition of the infrastructure and thus the satisfaction of the users. The project “AllRad” of the University of Applied Sciences Mainz develops and tests detailed actions for the improvement of cycle path maintenance with the cities of Mainz, Munich and Münster in order to identify further potential and to write transfer-able recommendations for public authorities. In addition to technical and organizational measures, communication measures according to the “open-government approach” are also applied. In accessible channels of communication, processes of the administration and maintenance depots are presented in a transparent manner and interaction with the population is promoted. The goal is to increase the understanding and satisfaction of the users.

Trends und Strukturen der Fahrradnutzung – Eine Analyse auf Grundlage der Erhebungsdaten des Deutschen Mobilitätspanels

Trends and Structures of Bicycle Use – An Analysis Based on Survey Data from the German Mobility Panel

M. Sc. Lisa Ecke; Dr.-Ing. Bastian Chlond, Karlsruhe

Die Nutzung des Fahrrads als umweltfreundliches Verkehrsmittel ist in den letzten Jahren zunehmend in den Fokus des öffentlichen Interesses gerückt. Das Fahrrad bietet gerade im Nahbereich eine Alternative zu anderen Verkehrsmitteln, jedoch wird es in der Bevölkerung nicht von allen Menschen in gleichem Maße genutzt. Mit dem Deutschen Mobilitätspanel (MOP) steht ein Monitoringinstrument zur Verfügung, das aufgrund der kontinuierlichen und alljährlichen Messung in der Lage ist, die Entwicklungen der Fahrradnutzung differenziert nachzuzeichnen. Der vorliegende Beitrag gibt einen Überblick über die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte und zeigt auf, welche Unterschiede in der Nutzung von Fahrrad und Pedelec bestehen. Personen, die ein konventionelles Fahrrad im Verlauf einer Woche nutzen, nutzen dieses im Mittel für jeden dritten Weg. Dies gilt auch gleichermaßen für das Pedelec. In der Fahrtzweck- und Nutzungsstruktur sind jedoch Unterschiede erkennbar, die vor allem auf die Altersstruktur der jeweiligen BesitzerInnen zurückzuführen sind.

The use of bicycles as an environmentally friendly means of transport has increasingly gained public attentions in recent years. The bicycle offers an alternative to other means of transport, especially for short distances. But it is not used to the same extent by all citizens. The German Mobility Panel (MOP) is a monitoring instrument, which is able to trace the devel-opment of bicycle use in a differentiated manner. In this article, we give an overview of the usage trends over the last two decades. Furthermore, we highlight the differences in use of bicycles and pedelecs. People who use a conventional bicycle in the course of one week use it, on average, for every third trip. This applies equally to pedelec users. However, we see differences in the trip purpose and structure of use, which are primarily due to the age structure of the respective owners.

Hinweise zu Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten (H RSV)

Guidelines for Cycle Superhighways and Cycle Priority Routes

Dipl.-Ing. Dankmar Alrutz, Hannover

In Deutschland hat die Entwicklung von Radschnellverbindungen als neuem Planungsinstrument für den Radverkehr in den letzten 10 Jahren eine erhebliche Dynamik entwickelt. Eine Vielzahl von Strecken befindet sich in Planung, etliche sind bereits in Bau oder auf Teilstrecken realisiert. Nachdem das Arbeitspapier „Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen“ (Ausgabe 2014) in einer frühen Phase dieser Entwicklung eine erste fachliche Grundlage für die aufkommende Diskussion bieten konnte, liegt nun mit den „Hinweisen zu Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten“ (H RSV, Ausgabe 2021) ein weiterentwickeltes Wissensdokument (W1) mit konkreteren und stärker abgesicherten Planungsempfehlungen vor. Darüber hinaus soll mit der Aufnahme der „Radvorrangrouten“ als neuem Netzelement ein Zwischenglied zwischen dem hohen Standard der Radschnellverbindungen und dem Basisstandard der ERA angeboten werden. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Inhalte der H RSV wiedergegeben.

In Germany, the development of Cycle Superhighways as a new planning tool for cycle traffic has increased very much in the last 10 years. A large number of routes are being planned and several of them are already under construction or have been partially realized. After the working paper "Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen" (2014 edition) was able to provide a first technical basis for the emerging discussion at an early phase of this development, the "Hinweise zu Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten" (H RSV, 2021 edition) as a new knowledge document with more concrete and more secure planning recommendations are now available. In addition, the inclusion of "Cycle Priority Route" as a new network element is intended to provide an intermediate link between the high standard of Cycle Superhighways and the basic standard of the ERA. In this article, the most important contents of the H RSV are reproduced.

Berliner Mobilitätsgesetz als Grundstein der Verkehrswende

The Berlin Mobility Act (2018): A cornerstone towards sustainable mobility

Dipl.-Ing. Hartmut Reupke, Berlin

Bislang gab es auf Landesebene nur für den öffentlichen Personennahverkehr gesetzliche Grundlagen zur Entwicklung von Mobilität und Verkehr. Mit dem Mobilitätsgesetz wurde erstmals eine Gesetzesgrundlage für die Weiterentwicklung und das Zusammenwirken aller Verkehrsarten geschaffen. Es ergänzt dabei die bestehenden bundeseinheitlichen Gesetze, Verordnungen und Planwerke und schafft gleichzeitig die rechtlichen Rahmenbedingungen, um auch unter geänderten Umfeldbedingungen (öffentliche Meinung, wachsende Stadt, Digitalisierung, alternde Stadtgesellschaft, Klimawandel) die grundlegenden Ziele der Mobilitätsgewährleistung zu bewältigen, und dies auf möglichst sichere („Vision Zero“) und stadtverträgliche Weise sowie unter Einbeziehung der Umwelt- und Klimaschutzziele des Landes Berlin. Ziel ist eine zukunftsfähige Weiterentwicklung der Verkehrsinfrastruktur und eine stadtverträgliche Umverteilung des öffentlichen Raums: statt einer verkehrsgerechten Stadt ist das Ziel ein „menschen- und stadtgerechter Verkehr“.

In Germany, state level legislation in the area of mobility and transport has so far been limited to legislation on public transport. With the Berlin Mobility Act, Berlin has for the first time created a legal basis for the further development and interaction of all modes of transport. The Berlin Mobility Act supplements the existing federal laws and regulations and creates a legal framework for accomplishing the fundamental goal of mobility even under changing societal conditions (changes in public opinion, population growth, digitalization, aging population, climate change). It does so in the most safe and “city-friendly” manner possible while including the environmental and climate protection goals of the state of Berlin. The aim is to further develop the transport infrastructure in a sustainable and safe (“Vision Zero”) way and to redistribute public space in a way that embraces both the needs of multiple users and the larger social, economic and environmental goals: instead of aiming at a city fit for traffic, Berlin aims at “traffic fit for people and the city”.

Aufbau und Pflege eines Infrastrukturmanagementsystems am Beispiel Dortmund

Infrastructure management system for the City of Dortmund (tendering, introduction, in operation)

Frank Ulrich, Dortmund; Dietmar Hauling, Haltern am See

Die Stadt Dortmund trägt als Oberzentrum am östlichen Rand des Ruhrgebietes eine besondere Bedeutung. Neben Veranstaltungen mit nahezu 100.000 Besuchern, seinen touristischen Zielen rund um den Fußball und der Geschichte des Bergbaus, wird Dortmund als Einkaufsstadt und Stätte großer Arbeitgeber täglich durch Pendler stark frequentiert. Der Anstieg der Pendler von Außerhalb hat in den letzten Jahren um > 40 %1 zugenommen. Auch wenn der Bahnverkehr Entlastung bringt, sind der Pkw- und Schwerlastverkehr für die Unterhaltung der Straßen, Wege und Plätze eine enorme Herausforderung. Um den aktuellen und zukünftigen Anforderungen an ein Infrastrukturmanagement gerecht zu werden, hat das Tiefbauamt der Stadt ein digitales Straßenmanagementsystem eingeführt, welches die wesentlichen Prozesse der Straßenunterhaltung im Tiefbauamt digital abbildet. Gleichzeitig steht das System allen Mitarbeitern für die Auskunft wichtiger Informationen rund um die Infrastruktur zur Verfügung. Die Anforderungen, die zur Beschaffung des Infrastrukturmanagement Systems GC SIB geführt haben,  sowie die besondere Rolle der Mitarbeiter bei der Einführung, werden im Beitrag dargestellt.

The city of Dortmund has a special significance as a regional centre on the eastern edge of the Ruhr region. In addition to events with almost 100,000 visitors, its tourist destinations around football and the history of mining, Dortmund is heavily frequented by commuters every day as a shopping city and site of major employers. The increase in commuters from outside the city has risen by > 40 %² in recent years. Even if rail traffic brings relief, car and heavy goods traffic is an enormous challenge for the maintenance of roads, paths and squares. In order to meet the current and future requirements of in-frastructure management, the city's civil engineering department has introduced a digital road management system that digitally maps the essential processes of road maintenance in the civil engineering department. One important point is that the system is available to all employees for information on important infrastructure-related issues. The requirements that led to the procurement of the infrastructure management system GC SIB, as well as the special role of the employees in the introduction, are presented in the article.