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Verkehrssicherheit im Städtevergleich – Safety in Numbers in Deutschland?

Traffic safety: A comparison of cities – Safety in Numbers in Germany

Univ.-Prof. Dr.-Ing. C. Holz-Rau; M. Prior, B. Sc.; I. Faller, Dipl.-Stat.; I. Wachter, M. Sc., Dortmund

Viele Städte wollen den Radverkehr fördern, um den Pkw-Verkehr zu reduzieren und damit die Umwelt- und Lebensqualität zu verbessern. Da Radfahrer im Vergleich zu Pkw-Insassen ungeschützt sind, könnte eine Zunahme des Radverkehrs zu steigenden Unfallzahlen vor allem mit schweren Personenschäden führen. Die Hypothese Safety in Numbers geht dagegen davon aus, dass bei einer Zunahme des Radverkehrs dieser eine höhere Aufmerksamkeit im Verkehrsgeschehen sowie in der Planung erfährt und damit die Sicherheit des Radverkehrs steigt. In dem Beitrag werden die Unfallzahlen der Städte Frankfurt/Main, Düsseldorf, Bremen, Dresden, Hannover und Münster gemeinsam mit Kenngrößen des Verkehrsverhaltens betrachtet. Ein relevanter Safety-in-Numbers-Effekt kann dabei nicht nachgewiesen werden. Eine Förderung des Radverkehrs lässt vielmehr einen Anstieg der schweren Radverkehrsunfälle erwarten und sollte daher mit noch stärkeren Anstrengungen zur Verbesserung der Sicherheit im Radverkehr verbunden werden.

Many cities aim to support cycling to reduce car driving and improve quality of life and the environment. As cyclists are more vulnerable than car passengers, an increase in cycling could result in increasing numbers of accidents, particularly those with serious injuries and fatalities. Conversely, the 'safety in numbers' hypothesis claims that an  increase in cycling leads to more attention being given to cyclists in traffic and in planning, thus resulting in more safety for cyclists. This paper investigates accident  records in Frankfurt/Main, Düsseldorf, Bremen, Dresden, Hannover and Münster jointly with travel behaviour measures. There is no evidence for a relevant 'safety in  numbers' effect. On the contrary, promoting cycling is likely to lead to an increasing number of severe accidents. Cycling policies should be combined with strong efforts to increase safety for cyclists.

Langzeitanalyse der Verkehrssicherheit auf Autobahnen mit temporärer Seitenstreifenfreigabe

Long-term Analysis of Road Safety on Motorways with Hard Shoulder Running

Dr.-Ing. H. Waleczek; Univ.-Prof. Dr.-Ing. J. Geistefeldt, Bochum

Auf regelmäßig überlasteten Autobahnen kann durch die temporäre Seitenstreifenfreigabe (TSF) die Streckenkapazität in den Spitzenstunden erhöht werden. Die positiven Wirkungen der TSF auf den Verkehrsablauf wurden durch mehrere Untersuchungen aufgezeigt, wohingegen zu den Verkehrssicherheitswirkungen noch keine umfassenden Erkenntnisse vorliegen. Der Beitrag dokumentiert die Ergebnisse einer Analyse der Unfalldaten von sieben Untersuchungsstrecken mit TSF in Hessen, bei denen die  Anlagen für die Freigabe des Seitenstreifens in Streckenbeeinflussungsanlagen integriert sind, über einen sehr langen Zeitraum von bis zu 13 Jahren. Für alle  Untersuchungsstrecken konnte ein hohes Sicherheitsniveau festgestellt werden. Sowohl die Unfallraten als auch die Unfallkostenraten liegen unter dem Durchschnitt der Bundesautobahnen. Auf den Untersuchungsstrecken, von denen Unfalldaten auch für den Zeitraum vor der Inbetriebnahme der Anlagen für die TSF vorlagen, haben sich die Unfallraten auf den Vorlaufstrecken deutlich verringert, während sich das Unfallgeschehen auf den Strecken mit TSF kaum verändert hat.

On frequently congested motorways, hard shoulder running (HSR) is an effective traffic management measure to increase the segment capacity by providing an additional travel lane during peak hours. A number of studies revealed the positive effects of HSR on traffic flow, whereas the safety effects are still not comprehensively  investigated. The paper presents the results of an analysis of crash data from seven motorway sections with HSR in the German Federal State of Hesse, on which HSR  control is integrated into line control systems, over a long period of up to 13 years. For all investigated motorway sections, the determined crash frequencies were lower than the average values of German motorways. The comparison of crash frequencies before and after the implementation of HSR showed no changes in crash occurrence  for the sections with HSR but a statistically significant reduction of crash rates and crash cost rates on the upstream segments.

Evaluation des Projekts „Einführung eines kommunalen Mobilitätsmanagements in den Modellkommunen Alfter und Bergisch Gladbach“

Evaluation of the project “Introduction of mobility management in the municipalities Alfter and Bergisch Gladbach“

Prof. Dr.-Ing. I. Mühlenbruch, J. Märker, M. Sc.; Bochum

Im Rahmen des Projektes „Einführung eines kommunalen Mobilitätsmanagements in den Modellkommunen Alfter und Bergisch Gladbach“ erhielten die Kommunen fachliche Beratung und finanzielle Unterstützung. Die Einführung verlief in den beiden Kommunen unterschiedlich. Es konnten in beiden Kommunen Organisationsstrukturen aufgebaut werden, die Mobilitätsmanagement unterstützen. In beiden Kommunen konnten Einzelmaßnahmen umgesetzt und Mobilitätskonzepte erstellt werden. Seitens der Hochschule Bochum wurde eine begleitende Prozess- und Wirkungsevaluation durchgeführt. Bestandteile der Evaluation waren insgesamt ca. 130 leitfadengestützte Interviews mit Schlüsselpersonen. Zudem fanden Fokusgruppen statt. Durch die begleitende Evaluation konnte das laufende Projekt bereits im Prozess optimiert werden.  Zentrale Ergebnisse sind allgemeine Handlungsempfehlungen bei der Einführung eines kommunalen Mobilitätsmanagements. Schwerpunkt des Fachbeitrags liegt auf der Methode und den Ergebnissen der Evaluation.

Within the project “Mobility Management at local level” the introduction of mobility management was promoted in the municipalities of Alfter and Bergisch Gladbach. The municipalities received advice and financial support. Organizational structures were supported in both municipalities that support mobility management. In both municipalities, measures could be implemented, and mobility concepts could be created. The University of Applied Sciences Bochum was responsible for evaluating the process. Therefore, 130 interviews were conducted and focus groups were held. This enabled the ongoing project to be optimized during the process. The central results are general recommendations for action when introducing mobility management for municipalities. The article focuses on the methodological aspects and the results of the evaluation.

 

Verkehrssicherheit an Haltestellen des ÖPNV

Road safety at public transport stops

Dr.-Ing. J. E. Bakaba, Berlin
M. Medicus, Dipl.-Ing., Dresden
Dipl.-Ing. J. Ortlepp, Berlin
M. Plesker, M.Sc., Stuttgart
Dr.-Ing. M. Schmotz, Dresden
Dr.-Ing. H. Schüller, Stuttgart

An Haltestellen des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) überlagern sich zahlreiche Anforderungen des ÖPNV sowie des motorisierten und nichtmotorisierten Individualverkehrs. Dabei kommt es immer wieder zu Konflikten und Unfällen. Die vorliegende Studie, die in Kooperation mit der Technischen Universität Dresden durchgeführt wurde, untersucht die Verkehrssicherheit innerörtlicher Bus- und Straßenbahnhaltestellen. Dazu wurden einerseits Sicherheitsgrade verschiedener Typen von Haltestellen ermittelt und andererseits Verkehrsbeobachtungen an besonders sicherheitskritischen Haltestellentypen durchgeführt. Als Grundlage hierfür dienten etwa 950 Haltestellen in sechs deutschen Großstädten sowie deren Unfallgeschehen im Zeitraum 2011 bis 2015. Die Studie zeigt vor allem, dass die Unfallkostenraten an  Straßenbahnhaltestellen höher als bei Bushaltestellen sind. Überschreiten-Unfälle sind dabei überproportional vertreten. Die durchgeführten statistischen Analysen weisen nach, dass das Unfallrisiko und die Unfallfolgen mit zunehmendem Fahrgastaufkommen steigen. Generell beeinflusst das Fußverkehrsaufkommen im Haltestellenbereich das Unfallniveau signifikant.

Public transport and both motorized and non-motorized road users have numerous overlapping requirements at public transport stops. Consequently, conflicts and accidents repeatedly occur. This study, which was conducted in collaboration with the Technische Universität Dresden (TU Dresden), examined the safety of bus and tram stops in built-up areas. The safety levels of different types of public transport stops were obtained, and the traffic at particularly safety-critical types of public transport  stops was observed. Around 950 public transport stops in six large German cities and the accidents that occurred at them from 2011 to 2015 were studied. The study shows, above all, that the accident cost rates at tram stops are higher than at bus stops. There are a disproportionate number of crossing-over accidents. The statistical analyses carried out show that the accident risk and accident consequences increase as passenger numbers rise. The numbers of pedestrians around the public transport stop influence the numbers of accidents significantly.